Historische Faschingsbräuche in Bayern
Neben den großen Umzügen und Partynächten lebt der bayerische Fasching vor allem von seinen besonderen Bräuchen. Viele davon wirken auf den ersten Blick wie pure Gaudi – haben aber tiefe Wurzeln in der Geschichte und im ländlichen Brauchtum.
Maschkera: Wenn sich das Dorf verkleidet
Vor allem in Oberbayern und im Alpenraum begegnen dir die sogenannten Maschkera. Mit geschnitzten Holzmasken, Fellkleidung oder bunten Fleckengewändern ziehen sie durch die Straßen, schauen in Wirtshäusern vorbei und treiben ihren Schabernack. Wer hinter der Maske steckt, bleibt meist geheim – die Stimme wird verstellt, Namen werden nicht verraten. Der ursprüngliche Gedanke: Mit lautem Treiben und gruseligen Gestalten den Winter und „böse Geister“ vertreiben.
Schellenrührer und Narrensprünge
Verwandt mit den Maschkera sind die Schellenrührer und die Narrensprünge in Schwaben und im Allgäu. Die Narren tragen breite Ledergürtel mit schweren Schellen und bringen sie mit hüpfenden Sprüngen zum Klingen. Ganze Gruppen springen im Gleichschritt durch die Orte, der Klang hallt durch enge Gassen und über Plätze. Auch hier geht es darum, den Winter symbolisch auszutreiben – ein Spektakel, das du so nur in dieser Region erlebst.
Unsinniger Donnerstag und Weiberfasching
Richtig Fahrt nimmt der bayerische Fasching am Unsinnigen Donnerstag auf – vielerorts auch Weiberfasching genannt. Frauen stürmen Rathäuser, schneiden symbolisch Krawatten ab, und in Büros oder Schulen wird der Alltag für ein paar Stunden auf den Kopf gestellt. In manchen Orten ist dieser Tag zudem fest mit traditionellen Umzügen wie dem Schellenrührerzug verbunden. Die Botschaft ist klar: Für ein paar Tage bestimmen die Narren das Geschehen, nicht die Obrigkeit.
Faschingsgilden, Prinzenpaare und Gardetanz
Fast jede größere Stadt in Bayern hat sie: Faschingsgilden mit Prinzenpaar und Garde. Sie organisieren Bälle, Sitzungen und Auftritte und bringen ein bisschen „Prunk“ in den Winter. Die Garden tanzen in Uniformen zu Marsch‑ und Showmusik, dazwischen sorgen Büttenreden und Sketche für Lacher – oft mit einem scharfen Blick auf lokale Politik und Dorfklatsch. Auch wenn dieses Konzept ursprünglich aus dem Rheinland stammt, ist es längst fester Bestandteil der bayerischen Faschingstradition.
Tanz, Wirtshausfasching und Kehraus
Ohne Wirtshaus wäre der bayerische Fasching nur halb so schön. Vom eleganten Kostümball mit Live‑Band über den Dorfball mit Partyband bis zum rockigen Wirtshausfasching ist alles dabei. Viele Lokale werden bunt dekoriert, Personal und Gäste kommen verkleidet, Garden und Prinzenpaare schauen auf eine kurze Showeinlage vorbei. Am Faschingsdienstag folgt dann der Kehraus: Noch einmal tanzen, singen, anstoßen – dann ist Schluss. Mancherorts wird der Fasching sogar symbolisch „zu Grabe getragen“, bevor am nächsten Tag der Ernst des Lebens wieder beginnt.
Krapfen, Fisch und die „letzten fetten Tage“
Kulinarisch gehört zur bayerischen Faschingszeit vor allem eines: der Krapfen. Klassisch mit Hiffenmark gefüllt oder modern mit Creme, Schokolade und Likör – in Bäckereien stapeln sich die Varianten. Historisch waren die Tage vor Aschermittwoch die letzte Gelegenheit, noch einmal richtig fett und süß zu essen, bevor die Fastenzeit begann. Spätestens am Aschermittwoch kehrt dann vielerorts Fisch auf den Teller zurück – als kulinarischer Schnitt zwischen ausgelassenem Fasching und bewussterer Fastenzeit.
Satire und „verkehrte Welt“
Was all diese Bräuche verbindet, ist das Spiel mit der „verkehrten Welt“. Beim Fasching wird aufgeräumt mit starren Rollen: Die, die sonst wenig Einfluss haben, dürfen in Reden, auf Wägen oder mit frechen Sprüchen laut werden. Bürgermeister, Politiker und Vereinsbosse bekommen ihr Fett weg – natürlich mit einem Augenzwinkern. Gerade diese Mischung aus Tradition, Spott und Lebensfreude macht den bayerischen Fasching so besonders – und für viele zum festen Termin im Kalender.
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