Vom Faschingskater zum Geldsegen: Warum man am Aschermittwoch den Geldbeutel wäscht
Nach den tollen Tagen kommt der Kater – finanziell und körperlich. Während die einen ihre Vorsätze aufpolieren, werfen andere am Aschermittwoch ihren Geldbeutel ins Wasser. Das „Geldbeutelwaschen“ ist ein skurril-sympathischer Brauch, der zeigt, wie viel Humor in manchen Fastnachtshochburgen steckt – und wie ernst man Geldsorgen eben auch wieder nicht nehmen will.
Wo wird der Brauch gepflegt?
Besonders verbreitet ist das Geldbeutelwaschen in Süddeutschland, vor allem in Franken, in Teilen Bayerns und Baden-Württembergs. In vielen fränkischen Faschingsorten gehört es fest zum Programm am Aschermittwoch, oft organisiert von Fastnachtsvereinen, Stadträten oder örtlichen Stammtischen.
Auch in einigen Regionen Österreichs und in der Schweiz kennt man ähnliche Rituale, bei denen Geldbeutel, Börsen oder sogar ganze Kassenschubladen „gereinigt“ werden. Die Formen variieren, die Idee bleibt gleich: Nach der närrischen Zeit soll das Portemonnaie wieder Glück und Fülle anziehen – und symbolisch von den Spuren der Feierei befreit werden.
Ein Blick in die Geschichte
Wie bei vielen Bräuchen ist der Ursprung nicht ganz eindeutig zu greifen. Vermutlich entwickelte sich das Geldbeutelwaschen aus älteren reinigenden Ritualen rund um den Beginn der Fastenzeit. Aschermittwoch markiert im Kirchenjahr den Start einer Phase der Besinnung und des Verzichts – früher gab es dazu zahlreiche symbolische Handlungen: Waschen, Asche, Reinigung.
Mit der Zeit kam der Alltag dazu: Wer viel gefeiert hat, hat meist auch viel ausgegeben. Der leere Geldbeutel wurde so zum sichtbaren Zeichen der ausgelassenen Tage. Statt zu klagen, machte man daraus einen augenzwinkernden Brauch: Man wäscht die Geldbörse und hofft, dass sich das Blatt im Lauf des Jahres wieder wendet.

Was steckt hinter dem Ritual?
Offiziell geht es natürlich um Glück im Geldbeutel. Wer sein Portemonnaie wäscht, soll im neuen Jahr mehr Geld anziehen, sagt der Volksmund. In manchen Orten heißt es, man verhindere damit, dass das ganze Jahr „pleite“ verläuft, in anderen soll der Geldbeutel niemals ganz leer werden.
Auf einer zweiten Ebene ist es aber auch eine Art Loslassen: Die Ausgaben der närrischen Zeit sind gemacht, das Konto ist, wie es ist – also nimmt man es mit Humor und startet symbolisch neu. Und genau diese Mischung aus Aberglaube, Selbstironie und Geselligkeit macht den Reiz des Brauchs aus.
Wer macht mit?
Typischerweise beteiligen sich vor allem Menschen, die stark mit der lokalen Fastnacht verbunden sind: Vereinsmitglieder, Stadträte, Bedienungen aus den Wirtshäusern, Geschäftsleute, die in der Hochsaison gut zu tun hatten, aber auch ganz „normale“ Bürgerinnen und Bürger.
Manche bringen nur ihren privaten Geldbeutel mit, andere auch die Vereinskasse oder die Bürokasse. Nicht selten stehen Bürgermeister oder andere lokale Größen als Erste am Ufer – ein willkommener Anlass, mit einem Augenzwinkern auf das Thema „öffentliche Finanzen“ anzuspielen.
So läuft das Geldbeutelwaschen ab
Der Ablauf ist je nach Ort unterschiedlich, folgt aber oft einem ähnlichen Muster:
Zuerst trifft man sich – gern am späten Vormittag oder Mittag – an einem Brunnen, Bach oder Fluss im Ort. Oft ist das Ganze in ein kleines Rahmenprogramm eingebettet, mit Musik, Reden und humorvollen Ansprachen.
Dann kommt der eigentliche Akt: Die Teilnehmer nehmen ihre Geldbeutel (meist ohne Inhalt!) und tauchen sie ins Wasser. Manche lassen sie nur kurz hineinhuschen, andere schwenken sie ausgiebig durch den Bach. Gelegentlich wird dabei ein Spruch aufgesagt, etwa in Mundart, in dem von künftigem Reichtum, einem „nie ganz leeren Beutel“ oder einem glücklichen Jahr die Rede ist.
Anschließend werden die nassen Geldbörsen ausgeschüttelt, getrocknet – und natürlich wird noch beisammen gestanden, gegessen, getrunken und geplaudert. Aus dem Ritual wird so ein gemütlicher Abschluss der Faschingszeit und ein Übergang in den ruhigeren Teil des Jahres.
Ob man an den Geldsegen glaubt oder nicht – das Geldbeutelwaschen ist heute vor allem ein liebenswerter Ausdruck regionaler Kultur. Es verbindet Humor, Gemeinschaft und ein Stück Alltagsmagie.
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